Warum „Streifenkiste“?

 

In den letzten Wochen wurde ich von mehreren Personen*** – unabhängig voneinander – gefragt, warum dieser Blog „Streifenkiste“ (eigentlich: „die Streifenkiste“) heißt.

Um eine Antwort zu geben, klamüsern wir dieses Kunstwort doch einfach mal kurz auseinander.

„Streifen“ steht hier für Kinofilme.

Angelehnt ist die Wortkreation – logo! – an die „Seifenkiste“  – also ein eher nostalgisches  Vehikel.

Derlei unmotorisierte „Rennpappen“ waren typisch für die „gute alte Zeit“, die es tatsächlich oft nicht all zu „gut“ mit JedeFrau und JederMann meinte.

Vor diesem Hintergrund wagt dieser Blog einen Blick zurück in die Gründerphase des Kinos, die geprägt war von Pionierleistungen u.a. bei Technik, Inszenierung /  Orga und Vermarktung des Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Mediums.

Bleibt schließlich der Wortbestandteil „-kiste“.

Bestimmt haben auch Sie zu Hause eine Kommode (wahlweise: ein Kellerregal, eine Schublade oder ein Koffer), in die alles hinein gewurstelt wird, was irgendwann ‚mal wieder von Nutzen sein  könnte, was aber in der betreffenden Situation einfach nur nervt. Also schnell: rein in die Kiste! Deckel druff. Und: „Ruhe im Karton!“

Je länger so eine „Krustelkiste“ nicht angerührt wird, desto mehr gleicht sie einer Wundertüte.

Stöbert man / frau nach längerer Zeit darin herum, ist nie ganz klar, was einem als  nächstes in die Finger (oder auf die Zehen) fällt: längst verloren Geglaubtes kommt wieder ans Tageslicht,  ursprünglich Wertvolles ist heutzutage nur noch Nippes oder ging gleich ganz  zu Bruch, was  besonders schmerzt, wenn – wie fast immer- persönliche Erinnerungen an solchen Fundstücken hängen.

Ähnlich funktioniert auch dieser Blog. Es werden einzelne Themen und Personen aus der Frühzeit des Films ins Scheinwerferlicht gerückt, wobei es nicht um die Vollständigkeit aller Themen oder Personen (wer könnte diese schon gewährleisten?!), sondern um Aha-Erlebnisse, Lesevergnügen und Schaulust geht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch viel Freude mit diesen Webseiten.

Ihr

Ewald Wildtraut M.A.

***
Personen, die sich nicht persönlich kennen und deshalb wohl auch nicht abgesprochen haben.

Die Ufa wird 100

 

Die „Universum Film AG“, kurz „Ufa“, wird am 18. Dezember 2017 hundert Jahre alt.

Ufa – diese 3 Buchstaben stehen einerseits für Filmklassiker wie Fritz Langs „Metropolis“, Josef von Sternbergs „Der blaue Engel oder „Die Drei von der Tankstelle“, Regie: Wilhelm Thiele.

Andererseits produzierte die „Ufa“ tiefbraune NS-Propaganda-Machwerke  wie Leni Riefenstahls äs­the­ti­sie­rende Herrenmenschen-Verklärung „Triumph des Willens“ oder Veit Harlans üble antisemitische Film-Tirade „Jud Süß“.

Schon der Ursprung der Ufa im Kaiserreich des Kriegstreibers Wilhelm II. war propagandistischer Natur. Sie ging aus dem, am 13. Januar 1917 von der „Obersten Heeresleitung“ eingerichteten „Bild- und Filmamt“ (Bufa) hervor, dessen Zweck es war, das damals noch junge Medium „Film“ für die psychologische Kriegsführung nutzbar zu machen.

Zum Ende des 2. Weltkriegs besetzte die „Rote Arme“ die Ufa-Studios in Potsdam / Babelsberg und Berlin / Tempelhof. In der sowjetischen Besatzungszone wurde die Ufa zur „Defa“ und damit abermals zu einem Propaganda-Apparat, diesmal im Sinne des sogenannten „real existierenden  Sozialismus“.

Auch im  Westen bedienten sich die Alliierten des nicht unbeträchtlichen Vermögens der Ufa, ließen sie aber bis Ende der 1950er Jahre praktisch brach liegen. Statt eine eigenständige Filmindustrie in Deutschland, die Anfang des 20. Jahrhundert lange die wirtschaftlich und künstlerisch bedeutendste weltweit war, aufzubauen, sahen die USA die drei westlichen Besatzungszonen vor allem als Absatzmarkt für die Streifen Hollywoods an, zumal auch die Bewohner hierzulande nach Stars und Stoffen aus den Staaten gierten.

Zwischen 1958 und 1961 wurden im Zeichen der Ufa ein paar Kinofilme gedreht, die aber künstlerisch längst nicht den Rang der Werke von Fritz Lang, Ernst Lubitsch oder Friedrich Wilhelm Murnau beanspruchen konnten.

Mit der Übernahme der Ufa durch Bertelsmann im Jahre 1964 stand die Marke zunehmend für Unterhaltungs-Kino, Fernsehprogramme und -shows. Künstlerisch und thematisch anspruchsvolle Stoffe wurden zur sprichwörtlichen Ausnahme, die diese Regel bestätigen.

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 war dann auch die Zeit der Defa passé. Jetzt konnten auch internationale Produktionen in den Studios Babelsbergs drehen, wo sich fortan Superstars wie Steven Spielberg, Quentin Tarantino oder Tom Cruise die Türklinke in die Hand gaben.

Viel ausführlicher und anschaulicher als dieser kurze Beitrag (der eigentliche streifenlicht.de-Beitrag zum Unternehmen folgt später) belichtet eine sehenswerte Ausstellung die spannende Geschichte der Ufa :
„Die Ufa – Geschichte einer Marke“.
24. November 2017. bis 22  April 2018.
Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen.
Potsdamer Straße 2.
10785 Berlin. 

Mehr Infos unter:
https://www.deutsche-kinemathek.de/ausstellungen/2017/ufa/fuehrungen

 

 

 

Oins – Feifafuffzge

Carl brummte der Schädel: „Anstrengend, den ganzen Tag lang Zahlen zu wälzen“

Cochrane hatte gut reden: „Seien Sie kein Lohnsklave! Wenn Sie irgendetwas in dieser Welt erreichen wollen, tun Sie es es, bevor sie 40 sind!“

Es gab so viele gute Argumente für und wider.

Und ein großes Fragezeichen: würden die 3.000 Dollar ausreichen, um wenigstens ein kleines Krümelchen von Mr. Woolworth Kuchen stibitzen zu können.

„Endlich frische Luft“, dachte Carl, als er spätabends Cochranes Werbeagentur verließ.

Statt direkt ins Hotel zu gehen, ließ sich der Mann, welcher zum perfekt sitzenden Anzug einen, nicht nur größenmäßig passenden Hut gewählt hatte, durch das nächtliche Chicago treiben, bog – ohne erklären zu können, warum – einmal in diese, dann in jene Straße ein.

A Giant in Front of Chicago’s Skyline, in the early 20th Century

Es dauerte eine Weile, bis Carl sich den Grund seines ziellosen Flanierens eingestand: es galt Zeit zu gewinnen, um die finale Entscheidung  über seine berufliche  Zukunft möglichst lange hinauszuzögern, auf dass sich vielleicht doch noch ein neues, ausschlaggebendes Argument für diese oder eben für jene Option einstellen würde: „Das ist Deine letzte Chance!“

Bald wusste der Unentschlossene nicht mehr, wo genau er sich befand. Nur eines war dem Mann,  an dem nur seine geringe Körpergröße auffiel, klar: „Back to Oshkosh? – No way!“

„Soll der alte Stern seinen Scheiß doch allein machen!“, schimpfte Carl.

Erschrocken über seine eigene Tirade, blickte er sich um: „Eigenartig, kein Mensch weit und breit.“

So hörte wohl nur der kalte Herbstwind anno 1906, wie sich unser Protagonist – zuweilen laut aufschreiend wie ein verletztes Tier –  mit Frust belegter Stimme fragte:

„Wo stünde die Continental Clothing heutzutage denn ohne mich?“

„Wer führte die riesigen Schaufenster ein, an welchen die Oshkosher ihre Goschen derart naseweis plattdrückten, als könnten sie hinter dem Glas einen Blick direkt ins Paradies erhaschen?

„Wie hieß noch mal der Kerl, welcher die Bestellung per Katalog und Post einführen wollte, um selbst den größten Hinterwäldern – nicht nur in Wisconsin – all die  schönen Waren der Continental frei Haus liefern zu können?

„War´s nicht zufällig jener, der auch bei der Reklame – im wahrsten Sinne des Wortes – Feder führend war?“

„Der sich ständig neue Verkaufs- und Marketingaktionen ausdachte, damit der Laden brummt, brummt brummt?“

„Warum ging ausgerechnet – ha-ha! – das Lockvogel-Angebot zu Thanksgiving so gründlich in die Hose?“

„Fuck’n turkeys…“ fluchte Carl, dessen Englisch immer noch die Melodik des oberschwäbischen Dialekts färbte, mit dem er einst aufgewachsen war; sodann winkelte er seine Arme an und schüttelte sie, einen Vogel imitierend: „… Kapital … kaputt-putt-putt!“

In diesem Augenblick hastete – unter spöttischem Gelächter – eine Gruppe junger Männer vorbei, die Carl imitierend, ihre Arme wie Federvieh auf- und wedelten, während sie „putt-putt-putt“ krakelten.

Als die Kerle  bereits einige Schritte enteilt waren, drehte sich einer der Burschen noch einmal kurz um und tippte sich mit dem Zeigefinger an die Stirn , dem Kleingewachsenen einen „Vogel“  hinter her schickend.

Empört blickte Carl diesem Rüpel hinterher, wie jener zusammen mit seinen Kumpanen rasch ins Dunkel der Nacht entschwand.

Bald passierten Carl weitere Cliquen fröhlich parlierender Erwachsener beiderlei Geschlechts.

Sie schienen einer bestimmten Lokalität in der Milwaukee Avenue zuzustreben.

Wenige Minuten später bemerkte Carl dort eine lange Menschenschlange, die sich, wie er vermutete,  offensichtlich vor einem Theater gebildet hatte.

Carl fragte sich: „Nanu, was für ein Publikumsmagnet wird  denn hier aufgeführt?“

Auf der Suche nach der Antwort stellte er sich ans Ende des Menschenauflaufes.

Schnell rückten seine Vordermänner und -frauen in Richtung eines Gebäudes vor, dessen Front von einer Leuchtreklame illuminiert wurde. Mit der Zeit konnte Carl deren verschnörkelte Art-Deco-Lettern Carl als „The Hale Tours“ entziffern.

„The Hale Tours?! Was mag das wohl für ein Etablissement sein?“

Vor und hinter Carl wurde über Gott und die Welt diskutiert, geflirtet und geküsst.

Plötzlich überwältigte ihn schmerzlich ein Gefühl von Einsamkeit.

Diese Empfindung kam ihm seltsam vertraut vor.

Ein Deja-vu:  Carl erinnerte sich an seine Ankunft in Amerika, gut 20 Jahren zuvor. Als wolle sich das Land seiner Hoffnung entziehen, verbarg sich das Tor zum Paradies, der Hafen von New York, am 13. Februar 1884  hinter einer undurchdringlichen Nebelwand.

Grimmig kalt wie die Luft jenes Tages verlief auch der „Empfang“ in Castle Garden: Die Grenzbeamten ließen nicht nur Carl, sondern auch die meisten anderen der gut 600 Mitreisenden, die zwei Wochen zuvor in Bremerhaven auf der „S.S. Neckar“ eingecheckt hatten, spüren, dass Ankömmlinge in der neuen Welt nichts wert waren; dass sie sich erst etwas erarbeiten mussten, wobei dieses Unterfangen –  das galt als einzige Gewissheit  –  bestimmt nicht jedermann gelingen würde.

Solchermaßen desillusioniert, dachte Carl kurz daran, die Rückreise anzutreten. Doch es gab kein Zurück mehr. Selbst einem körperlich viel stärkeren Menschen wäre es nicht gelungen, sich dem Strom der Passagiere, die mit Gewalt ins gelobte Land drängten, entgegen zu stemmen. Bald gab der kleine Mann auf und wurde von der Menschenmasse mitgerissen, die danach gierte, endlich den Boden von Manhattan zu betreten.

Nachdem Carl den Schlagbaum passierte, blieb er minutenlang erschöpft auf der Stelle stehen und beobachtete zunehmend traurig, dass die meisten Einreisenden offenbar von Verwandten oder Freunden erwartet und begrüßt wurden.

Um ihn herum fielen sich die Menschen in die Arme; küssten und drückten sich. Nur der junge Oberschwabe, der nur wenige Brocken Englisch beherrschte, stand allein inmitten all der oft tränen- und wortreichen Willkommens-Szenen.

Wie konnte Carl erwarten, sein Bruder Joseph Baruch, der zwölf Jahre zuvor in die Staaten emigriert war, würde ihn abholen und bei den ersten Schritten ins neue Leben unterstützen? Woher sollte „Joe“, wie der älteste Sohn von Julius Baruch und Rebekka seine immer seltener eintreffenden Briefe an Eltern und Geschwister zuletzt unterschrieb, denn überhaupt wissen, dass sich auch der zweitjüngste Spross der Familie auf die nicht ungefährliche Reise über den „Großen Teich“ gemacht hatte?

Schließlich war es viele Jahre her, dass Joe ein letztes Schreiben in die alte Heimat gesendet hatte. Seitdem gab es zu ihm keinen Kontakt mehr, was insbesondere die Mutter zunehmend verbitterte. Verzweifelt hätte sie gern von ihrem ältesten Sohn Abschied genommen, von dem niemand wusste, wo er nunmehr in Amerika wohnte, so denn er überhaupt noch lebte.

Während Carl sich in solch trüben Gedanken verlor, bemerkte er nicht, wie die Menschenschlange vor ihm permanent kürzer geworden war.

Plötzlich stand er vor dem Kassenhäuschen. Freundlich grüßte ihn die Dame hinter einem Glasschalter, die bereits ein Billet abgerissen hatte: „Das macht dann bitte 5 Cent, mein Herr!“

Jahre später erinnerte sich Carl: „Das war die wichtigste Investition meines Lebens: dieser Nickel hat mein Leben verändert!“

© Text | Graphik: Ewald Wildtraut, 2017.

 

Die Streifenkiste ist am Start.

Bald, sehr bald geht es rasant los! (So hiess es am 19.10.2017)

Mittlerweile ist es soweit.  Um in der Rennfahrer-Terminologie zu bleiben: Das Layout „läuft“ weitgehend und die ersten Inhalte sind am Start, ergo: online. 

Wie Sie u.a. an den Menüs sehen können, muss und wird bei der STREIFENKISTE in allen Ecken und Enden „Content“ auf Touren gebracht werden.

Dies geschieht bewußt in einem „work-in-progress“, da diese private und nicht-kommerzielle „Homepage“ nur eines von mehreren Projekten neben meinen beruflichen und familiären Verpflichtungen ist.

So ähneln diese Sites eher einem Prototyp, an dem bzw. mit dem permanent  „geschraubt“ wird.

Oder einer Teststrecke.

Bis dahin (dito 19.10.17; ist inzwischen erledigt, deshalb neuer Satzanfang):  „In diesem Sinn wird“ die Boxen-Crew noch einiges ans/ins Laufen bringen, so dass die Streifenkiste neben dem eigentlichen Content (u.a. Bilder, Texte und Filme),  ebenso beim Look und der  „Performance“  stets die Nase vorn hat. 

Also einfach öfter mal ’reinschauen! (Diese Aussage vom 19.10.2017 gilt natürlich immer noch).

Darüber freut sich …

… mit herzlichen Grüßen

Ihr Ewald Wildtraut M.A.