Emil Jannings

Emil Jannings als „Professor Unrat“ Immanuel Rath im „Blauen Engel“. 1930. (1)

And the first Oscar ever…  goes to Emil Jannings!

 

1929  gewann Emil Jannings den ersten „Oscar“ als „bester männlicher Hauptdarsteller“ überhaupt. (2)

Kein Wunder  – es war schließlich die erste Ausgabe der Filmpreisverleihung. (3)

Die Auszeichnung nahm Jannings für seine schauspielerische  Leistung in gleich zwei Werken aus den Vorjahren entgegen:
Der Weg allen Fleisches (Original: The Way of All Flesh).
Regie: Victor Lonzo Fleming*. 1927. Paramount Pictures
Sein letzter Befehl (Original: The Last Command. ).
Regie: Josef von Sternberg. 1928. Paramount Pictures. (4)

Beide Dramen  – wie auch fast alle anderen, 1929 mit dem „Goldkerlchen“ prämierten Streifen – waren Stummfilme. 

Einzige (zumindest teilweise) Ausnahme war in jenem Jahr: „The Jazz Singer“ von Warner Bros.

Dieses Film-Musical zelebrierte geradezu die inszenatorischen Möglichkeiten des damals innovativen Mediums „Tonfilm“, auch wenn große Teile des Streifens noch „stumm“ waren.

Weil es folglich von vielen Seiten Vorbehalte gab, erhielt das Opus nur einen „Special Award“. (5)  Doch der Siegeszug des Tonfilms war nicht mehr aufzuhalten.

Zurück zu Emil Jannings:

Warum der am 23. Juli 1884 auf der Schweizer Bodenseeseite in Rorschach** als Theodor Friedrich Emil Janenz geborene Schauspieler bis heute als einziger „deutscher“  Mime gilt, der je den „Academy Award“ in der Kategorie „bester männlicher Hauptdarsteller“erhielt, sei mal dahingestellt. (2)

Unbestritten ist dagegen, dass Jannings noch im Jahr der Oscar-Verleihung nach Deutschland zurück kehrte, um unter der Regie von Josef von Sternberg für die Ufa im „Blauen Engel“ die Hauptrolle des Professor Immanuel Rath zu spielen. (6)

Die Figur lehnt sich an den 1905 erschienenen Roman von Heinrich Mann (7) mit dem Titel „Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen“ an–  laut Wikipedia “ (8) eine Karikatur des deutschen Bildungsbürgers der Wilhelminischen Epoche. Sie zeigte, welche Höhe die Doppelmoral des Bürgertums erreichen kann (…) und ist ein Dokument für die Mentalität in Deutschland vor den Weltkriegen.“

Die weibliche Hauptrolle in diesem Filmklassiker, einem der ersten der Tonfilmära, übernahm  Marlene Dietrich (9), die mit ihrem für die damaligen Verhältnisse frivolen und zugleich emanzipierten Auftritt quasi über Nacht zum internationalen Star wurde.

Neben ihrer schauspielerischen Leistung bleibt wohl für immer ihr Gesang des Evergreens  „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ (Komponist: Friedrich Hollaender) in Erinnerung (10).

So gelang „der Dietrich“ mit dem Blauen Engel der Sprung über den „Großen Teich“ nach Hollywood  –  nicht zuletzt, weil vom Film neben der deutschsprachigen, auch eine englische Version gedreht wurde.

Bei Emil Jannings  ging es dagegen, u.a. weil sein Spiel in der aufstrebenden kalifornischen Filmmetropole als zu behäbig wahrgenommen wurde, in die andere Richtung.

Mit den Nazis in einem Boot

 

Der faschistische Propagandaminister Goebbels (Mitte, links) und der Schauspieler Emil Jannings (Mitte, rechts) bei einer Bootsfahrt 1938 auf dem Wolfgangsee. (11)

 

Obwohl  Emil Jannings Mutter jüdisch-russischer Herkunft und sein Vater Amerikaner war, emigrierte der Schauspieler nach Hitlers Machtergreifung nicht aus Deutschland.

Er ahnte, dass mit zunehmendem Einsatz des Tonfilms für ihn die Zeit der großen Hollywood-Rollen passé war, auch  weil sein deutscher Akzent beim amerikanischen Publikum auf wenig wohlwollende Ohren stieß.

Statt integer zu bleiben, kleinere Engagements oder gar das Karriere-Ende in Kauf zu nehmen, diente sich Jannings opportunistisch Nazi-Deutschland an, das dem Mimen den roten Teppich ausrollte.

Im Dritten Reich wurde der Oscar-Preisträger als internationaler Star und anerkannter Charakterschauspieler instrumentalisiert, der sich fortan auf die Darstellung von historischen Figuren wie Robert Koch oder Otto von Bismarck verlegte, um die Massen ganz im Sinne der Geschichts- und Weltbildes der braunen Machthaber zu manipulieren.

Trauriger Tiefpunkt der Kolaboration Emil Jannings mit dem NS-Regime war die Mitwirkung am Propaganda-Streifen „Ohm Krüger“ von 1941, in dem er nicht nur die Hauptrolle übernahm, sondern gleichzeitig auch als Produzent und „künstlerischer Leiter“ fungierte. (12)

Nach 1945 erhielt Jannings nicht zuletzt deshalb von den Alliierten ein lebenslanges Berufsverbot.

Er starb am 2. Januar 1950 im österreichischen Strobl an Leberkrebs. (2)

Quellen:

(1) http://lantern.mediahist.org/catalog/nationalboardofr67nati_0017.
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Jannings
(3) http://www.oscars.org/oscars/ceremonies/1929
(4) IMDb – Emil Jannings >  http://www.imdb.com/name/nm0417837/
(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Jazzsänger_(1927)(6) https://www.moviepilot.de/movies/der-blaue-engel
(7) https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Mann
(8) https://de.wikipedia.org/wiki/Professor_Unrat
(9) https://www.dhm.de/lemo/biografie/marlene-dietrich
(10) http://www.filmportal.de/person/friedrich-hollaender
(11) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1984-0321-506,_St._Wolfgang,_Goebbels_und_Emil_Jannings.jpg
(12) https://de.wikipedia.org/wiki/Ohm_Krüger_(Film)

* Victor Lonzo Fleming erlangte später Weltruhm für seine Regie bei „Vom Winde verweht / Gone with the Wind“. 1939. Selznick International Pictures für Metro Goldwyn Mayer (MGM). Produzent: David O. Selznick
** In Rorschach erlebte ich in Pennäler-Tagen ein Minigolf-Fiasko gegen Rentner-Profis; aber das ist eine andere Geschichte, E.W.