Zwischenakt: Guckkasten-Bühne

Le théâtre de la Reine / Das Theater der Königin (gemeint ist die im Rahmen der Französischen Revolution um einen Kopf gekürzte Marie Antoinette) liegt in der weitläufigen Anlage des Schlosses Versailles bei Paris (1)

Die gängigste Form der Theaterbühne wird ebenfalls als „Guckkasten“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um den – innerhalb des Theatergebäudes,   vor den Zuschauerrängen – in die Front eingelassenen Raum (das „Bühnenhaus“), auf dessen Boden sowohl die Schauspieler, Sänger, Tänzer u.a. agieren als auch die Kulissen stehen.

Diese Szenerie liegt –bezogen auf das Niveau der vorderen Stuhlreihen – zumeist räumlich angehoben. Um das Geschehen auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ zu verfolgen, ist das Publikum folglich gezwungen, leicht aufwärts zu schauen. Allein durch diesen baulichen Trick findet eine Überhöhung dessen statt, was auf dem Podium gegeben wird.

Gesteigert wird der Eindruck ferner dadurch, dass das Portal – die riesige rechteckige Öffnung zur Spielfläche, welche vor Beginn der Aufführung gemeinhin ein mächtiger Vorhang abschirmt– oft von reichem Ornament eingefasst wird. So ähnelt die Front zum Bühnenhaus einem gigantischen  goldenen Bilderrahmen.

Auch die Beleuchtung intensiviert die Illusion der Zuschauer, im Theater – live und leibhaftig – Zeuge jener archetypischen Tragödien und Komödien zu werden, die das Leben uns Menschen zu spielen aufgibt.

Während der Inszenierung sitzt (und tappt) das Publikum zumeist im Dunkeln. Unterdessen wird „on stage“ die Handlung mitunter in ein derart grelles Licht getaucht, dass es auch die düstersten Winkel der menschlichen Seele beleuchtet.

Je lebendiger und sinnlicher die Inszenierung, desto mehr scheint die hell illuminierte Szene im Dunkel des Theaters zu schweben. Sie gleicht dann eher einer zweidimensionalen, flachen Kinoleinwand als einem dreidimensionalen (Schau-)Spiel im (Bühnen-)Raum.

Spätestens wenn diese Wirkung einsetzt und die Zuschauer völlig in Bann gezogen sind,  möchte man – wie bei der Uraufführung von Bertolt Brechts Drama „Trommeln in der Nacht“ am 29. September 1922 an den „Münchner Kammerspielen“ (Regie: Otto Falckenberg) – am liebsten Plakate aufhängen mit der Aufschrift: „Glotzt nicht so romantisch!“

Quelle:

(1) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theatre_de_la_Reine_(2).JPG>